Kevin Hangs - WE LOVE MMA

WE LOVE MMA

Mixed Martial Arts

Kevin Hangs

Interview Kevin Hangs – 3.5.2026 – für We Love MMA 88 in Frankfurt 

Wie geht es Dir so einige Wochen nach der Niederlage im Titelkampf?
Nach, der Niederlage gegen Daniel Makin hatte ich erstmal gleich die Ballermann-Grippe. Ich war ein paar Tage auf Mallorca unterwegs und mein Immunsystem war wohl ziemlich runtergerockt. Das fing schon im Flugzeug an.  Aber weil ich auch beim Feiern immer Vollgas gebe, wenn ich auf Mallorca bin, hat es mich wohl echt mal zusammengefaltet.

Hast Du gebraucht um die zweite Niederlage gegen Daniel und damit die erneut verpasste Titelchance bei We Love MMA zu verarbeiten?
Ja klar, ich war frustriert, zwei Tage lang hat das gedauert, aber dann ging es auch weiter mit dem Alltag. Ich wünsche Daniel Makin alles Gute. Und ich glaube, ich kriege noch mal eine Chance, um den Titel zu kämpfen. Dafür muss ich natürlich erst ein paar gute Kämpfe abliefern, also das ist mal klar und ja, wenn ich so zwei oder drei Mal jetzt dann gewinnen kann, dann kann ich mir vielleicht am Ende des Jahres noch mal einen Titel-Kampf holen. Aber, bis dahin muss ich halt erst einmal gewinnen ist mir schon klar. Also ich kann jetzt nicht irgendwelche großen Ansprüche stellen.

Zurückgeschaut, was ist da alles schiefgegangen?
Alles, einfach alles. Man muss ganz klar sagen im Titel-Kampf gegen Daniel Makin da bin ich echt unter die Räder gekommen, das war überhaupt nicht die Leistung, die ich mir vorgestellt habe, das war, das war nicht mal im Ansatz das, was ich ja zeigen kann. Ich war so enttäuscht so frustriert an dem Abend und es hat mit gleich noch mehr weh und leid getan für alle, für meine ganze Familie, für meinen Sohn. Der hat so drauf gehofft, der hat so mitgefiebert und dann ja dann war die Enttäuschung einfach riesig.


Du hast noch im Cage Deinen Sohn Dejan gegrüßt, Dich bei ihm entschuldigt und bist dabei in Tränen ausgebrochen. Warum hat es Dich so emotional überwältigt? 

Ich wollte ihn stolz machen und für ihn bin ich so etwas wie sein Held. Und dann werde ich so verkloppt, das war mir einfach peinlich Ja, für mich war es schwierig, weil ich eine ziemlich beschissene Jugendzeit hatte. Mein Vater ist gestorben, da war ich gerade 19 Jahre alt. Er hatte Lungenkrebs und ich glaube meine Mama die hat sich nie davon so richtig erholt, das war recht schwierig. Sie kam aus einem kleinen Dorf aus dem damaligen Jugoslawien und war dann hier in Deutschland und plötzlich stand sie da, mit zwei Söhnen und musste die dann großziehen. Für meine Mama war es besonders schwer, denn sie hatte ja niemand zum Reden. 

Und dann stand ich nach dem verlorenen Kampf da, wieder als Verlierer. Also für Sportler ist es immer schlimm unter den eigenen Erwartungen zu bleiben und ich war ja gut vorbereitet vor dem Titelkampf gegen Daniel Makin. Ich war echt ready und dann mache ich da so einen Leichtsinnsfehler. Viel zu locker rangegangen, fang mir so ein Ding und habe noch nie so schnell einen Kampf verloren. So sang- und klanglos untergegangen, das war schwer zu verdauen und ja, da sind bei mir auch die Tränen diesmal auch wirklich geflossen. Das habe ich sonst noch nie gehabt, dass ich im Cage plötzlich anfange zu heulen, aber als ich dran gedacht habe, dass mein Sohn jetzt zuschaut am Bildschirm und mitgefiebert hat und nee, das war dann in dem Moment war es dann wirklich zu viel

Du zeigst auch in Sozialen Medien sehr offen Dein Leben und die Beziehung zu Deinem Sohn. Warum?
Mein Sohn ist jetzt 11 Jahre alt und ich trainiere viel mit ihm und er will auch MMA-Profi werden. Für ihn hat das einen großen Stellenwert und dadurch hat er für mich gleich nochmal eine ganz große Bedeutung. Er wächst ja so im Gym mit auf, lernt in einer Art Männerdomäne, denn da sind ja doch mehr Kämpfer als Kämpferinnen. Da ist es schon so eine Sache das er da reinkommen muss. Ich versuche dann schon, dass ich ihn motiviere. Aber, ich versuche auch, wenn ich andere Leute treffe, die ebenfalls alleinerziehend sind, die vielleicht Eltern verloren haben, dann versuche ich die auch zu motivieren, also gerade die Väter die alleinerziehend sind. Damit die einen Anschub haben, dass sie wissen, es geht weiter.

Warst Du als Kind schon so, mit Vorbildfunktion und eher ein Anführer?
Überhaupt nicht, im Gegenteil. In der Schule da war ich nicht so wirklich gut und ich habe ja auch mal die Schule abgebrochen und eine Klasse wiederholt. Es hat schon ein bisschen gedauert bis ich in meiner Jugend den Weg gefunden habe. War echt eine Zeit da hat’s einfach so hier und da man angeeckt. Erst als ich meine jetzige Lebenspartnerin kennengelernt habe, erst dann ist es so alles richtig ins Laufen gekommen. Und das ich mal als Unternehmer Erfolg habe also mit dem Kampfsportstudio, dem Fitnessstudio, ich habe einen eigenen Drink rausgebracht und Klamotten, also ich bin ja auf vielen Feldern aktiv und ja das zeigt auch, dass man was werden kann, wenn man halt aber auch hart arbeitet. Das ist das, was ich meinem Sohn auch immer mitgebe

Der Kevin Hangs von heute ist also anders als der Kevin von vor 20 Jahren?
Vor meinem Vater da hatte ich immer großen Respekt. Als ich so 15 oder 16 war, in meiner rebellischen Zeit, da war er immer viel Arbeiten, weil, er wollte uns ja dann auch was ermöglichen. Dann war mein Vater nicht mehr da und da gabs erstmal eine AbwärtsspiraleAls junger Mann mit Migrationshintergrund, habe mir von Frauen ja wenig sagen lassen und ich musste da wirklich erstmal so gucken, dass das alles im Leben so passt. Ich hatte Geldprobleme, mit 1500 netto bin ich Mitte des Monats bei Mama essen gegangen, weil ich kein Geld mehr hatte und manchmal konnte ich einfach die Miete nicht zahlen. Das war schon eine Zeit da musste ich wirklich mal irgendwann begreifen das so nicht weitergeht und dann den richtigen Weg wieder einschlagen. 

Jetzt versuche ich meinen Sohn den Weg zu weisen, das ist glaube ich auch meine Aufgabe als Vater. Und ich meine, ich bin auch schon Ende 30, da kannst nicht mehr hier den kleinen bockigen Jungen selber geben. Da muss ich ihm das Vorleben muss es ihm zeigen, durch harte Arbeit, durch Erfahrung und dass da was kommt, dass man dann auch im Sport und im beruflichen wirklich was bewegen kann. Das was ich nicht hatte diese Zeit mit meinem Vater in den jungen Jahren, das möchte ich gerne für meinen Sohn. Dass er weiß, ich bin für ihn da, ich habe Zeit, ich nehme mir Zeit und der Papa ist für ihn da

Konnte Dich damals nicht Deine Verwandtschaft unterstützen?
In meiner Jugend war auch sehr prägend, wie es zum Beispiel meinem Onkel ergangen ist. Der war Fußballprofi bei Roter Stern Belgrad und musste dann damals wegen des Jugoslawienkrieges fliehen. Der ist nach Deutschland gekommen und lebt noch heute bei meiner Mutter. Oder meine Oma die hat das KZ überlebt. Also das sind schon Sachen die in der Familie so waren die haben mich immer schwer beschäftigt, da war immer viel was zusätzlich noch mit auf mich eingewirkt hat. 

Am 23. Mai willst Du wieder bei We Love MMA kämpfen. Ist es ein Comeback oder ein weiter geht’s?
Ich liebe We Love MMA, das ist ja schon klar, ich bin auch lange dabei, ich habe dort oft gekämpft, gern gekämpft und ich will auch dabeibleiben. Für mich ist das eine geile Serie, ich komme immer wieder gern, ich kenne die Leute und ich glaube auch die Leute und das Publikum die mögen mich den tätowierten Kevin. Ja, die haben irgendwie Spaß mit mir.

Es war nicht einfach einen Gegner zu finden, will keiner mehr gegen Dich kämpfen?
Schwierig ist glaube ich aktuell die Gegner zu finden, das war schon oft echt ein Problem in der Vergangenheit. Ich hatte ja schon signalisiert, dass ich gerne in Frankfurt kämpfen möchte und dann haben mir aber die Gegner abgesagt. Das, habe ich auch schon von anderen Veranstaltungen mitbekommen, das ist wohl immer gleich, wenn die merken, dass einer schon ein bisschen mehr Erfahrung hat dann drücken sich viele weg. Die sagen dann es fehlt ihnen an Erfahrung oder sie hätten lieber einen Gegner, der ihnen besser passt. Ist schon so eine Entwicklung, was da so passiert, scheint normal zu werden, dass viele nur eine gute Statistik aufbauen wollen. Dann verziehen die sich und verzichten darauf, gegen einen wirklich guten Mann zu kämpfen. Da wird schon oft mit Bedacht ausgewählt mit wem sie dann kämpfen. Ist so eine gewisse Charaktersache, aber das ist nicht so bei mir. Mir ist schon klar, dass ein Einsteiger oder einer der von den Amateuren kommt, seinen Weg machen will. Und wenn sich die Wege dann kreuzen und die kommen dann gegen einen der schon ganz anders Niveau hat, ja dann klar, dann können die nicht viel ausrichten. Aber, ich bin jetzt einfach in einem Alter ich kann jetzt nicht mehr lange warten oder noch Aufbaukämpfe machen oder so. Ich brauche Gegner wo ich zeigen kann was los ist, weil, sonst wird’s zur LachnummerIm Käfig kannst Dich eh nicht verstecken, wenn Du im Cage bist dann fällt die Maske und dann sehen alle und dann wissen auch alle was Du kannst und was Du draufhast. Von daher helfen Dir die ganzen Statistiken vorher nichts. Wenn da Kerle auftauchen die ewig viele Siege haben gegen Leute, die nicht allzu besonders performen können, das bringt nichts.

Was sagts Du zu Ivan Sakic Deinem Gegner in Frankfurt? 
Der ist hier in Deutschland nicht sonderlich bekannt. Ich habe schon geschaut, seine Statistiken, ja die sind ja eher im Boxen, da hat er einen Haufen Kämpfe gemacht, aber auch da habe ich das Gefühl, der war wohl immer so als Aufbaugänger unterwegs. Und im MMA hat er einige Kämpfe absolviert, aber ich glaube, der hat nicht mein Niveau, das muss ich ganz klar sagen. Ich will ihn nicht schlechter machen, ich will ihn nicht schlecht reden oder mich anders hinstellen, aber ich denke schon also das sollte eine klare Nummer werden, die ich wohl locker packen kann. So gehe ich da auch ran, mit der ganz klaren Zielstellung: Den muss ich packen, den muss ich eindeutig packen.

Du wolltest unbedingt in Frankfurt kämpfen, was ist da besonders für Dich?
Das wird geil, denn auch für mich kommen ja viele Leute von zu Hause aus Reilingen. Ist nicht so weit weg, das sind nur 45 Minuten. Aber, Lokalmatador, ja wäre ein bisschen übertrieben, aber ich denke schon, dass da viele Leute kommen und ich glaube, dass mich auch schon viele Leute in den vergangenen Jahren bei We Love MMA gesehen haben. Und ich muss jetzt noch zusehen, weil, ich habe es noch nicht geschafft, aber ich will mir noch einen Trikot der Frankfurter Eintracht besorgen und dann würde ich in die Jahrhunderthalle im Trikot von der Eintracht Frankfurter einlaufen. Das gehört ja dazu, so ein bisschen mit dem Publikum zu spielen. Ziel muss natürlich sein für die ganze Organisation, dass die Halle voll ist und dass glaube ich das wird schon wieder, da war immer eine geile Stimmung da bin mir sicher das wird diesmal auch so.

Planst Du auf Sicht oder noch für reine längere Zeit?
Also zwei Kämpfe die will ich auf jeden Fall noch machen und dann, wenn es geht dann würde ich gerne bei We Love MMA in Stuttgart antreten. Wenn ich bis dahin mal wieder eine Siegesserie habe von zwei vielleicht drei gewonnenen Kämpfen, ja dann könnte es schon sein, dass ich dann auch mal so eine kleine Geste an der Hüfte mache und auf einen Gürtel deute.

Ob es noch mal einen Kampf gegen Daniel Makin gibt, glaube ich nicht. Daniel hat wohl andere Pläne hat andere Ziele. Andererseits muss man noch abwarten was macht Daniel. Der ist jetzt 40 und vielleicht will er gar nicht beide Titel verteidigen und dann wird ja was frei, dann wird Platz und ja da muss ich zur Stelle sein, also da will ich einfach zur Stelle sein, klar ich werde ja auch nicht jünger. 

Aktuell da fühle ich mich gut, bin jetzt wieder voll drin, trainiere wieder fokussiert auf den Terminen für Frankfurt und ja ich merke, ich kann mit den jungen Wilden noch immer gut mithalten. Deshalb ist doch lange nicht Schluss, warum auch. Ich bin mir sicher ich komme wieder und ich werde zeigen, dass ich immer noch da bin.

Wenn der Moment kommt, dann will ich dabei sein und dann will ich das es auch gerechtfertigt ist, das alle sagen, jawohl der hat sich wieder dahin gebracht, der ist in der Position, der darf das, der darf die Forderung stellen und darf in so einen Titelfight wieder rein. Das muss mein Ziel sein.

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